Verträge mit Vodafone und innogy im Kreis Soest unterzeichnet

In seinem zweiten, kreisweiten Bundesförderverfahren hat der Kreis Soest als erster der fünf südwestfälischen Kreise die Suche nach gefördert ausbauenden Telekommunikationsunternehmen erfolgreich abgeschlossen. Anfang Juni wurden im Kreishaus die Verträge mit den Unternehmen Vodafone und innogy TelNet unterzeichnet, die sich in der europaweiten Ausschreibung (wir berichteten) durchgesetzt haben.

„Mit Abstand die Besten“: Dieses, in Zeiten von Corona gleichfalls beliebte Abi-Motto, präsentiert der Kreis Soest bei seinem Fototermin zur Vertragsunterzeichnung für den Breitbandausbau in den abgelegenen und unterversorgten Bereichen. (v.l. Fabian Klein, Vodafone GmbH), Christoph Hellmann, Kreis Soest, Landrätin Eva Irrgang, Bürgermeister Dr. Remco van der Velden, Geseke und Carsten Lagemann, innogy TelNet GmbH. Foto: Kreis Soest)

Damit ist sichergestellt, dass auch die Außenbereiche im Kreisgebiet mit zukunftsfähiger Glasfaser bis ins Haus versorgt werden. 3.900 private Haushalte in Einzellagen, 71 Schulen und drei Krankenhäuser werden durch die innogy TelNet und 1.118 Betriebe in 23 Gewerbegebieten durch Vodafone ausgebaut. Zunächst muss die Prüfung durch Bund und Land abgewartet werden, erst dann dürfen die beiden Firmen mit dem Ausbau beginnen, voraussichtlich im Herbst. In den kommenden dreieinhalb Jahren sollen über 1.500 Kilometer Leerrohre und mehr als 5.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden.

„Ein Infrastrukturprojekt in diesen Dimensionen hat es im Kreis Soest noch nie gegeben“, sagt Landrätin Eva Irrgang.  „Wir haben gemeinsam alles daran gesetzt, dass gerade für die Außenlagen und die noch nicht ausreichend versorgten Gewerbegebiete eine Lösung gefunden wird. Daher freut es mich umso mehr, dass wir zwei große Telekommunikationsunternehmen gefunden haben, die sich der Aufgabe bei uns stellen. Denn in einer Zeit, in der überall in der Bundesrepublik Auftragnehmer gesucht werden, ist das nicht einfacher geworden“, so die Landrätin weiter. Breitbandkoordinator Christoph Hellmann ergänzt: „So eine Chance, dass in diesen abgelegenen und unterversorgten Bereichen eine zukunftsfähige Breitbandversorgung mit Glasfaser bis zur mittlerweile sprichwörtlichen letzten Milchkanne gebaut werden kann, kommt nie wieder.“ Die umfangreichen Vorbereitungen, bei denen in enger Zusammenarbeit mit allen Kommunen jede Adresse im Kreis Soest noch einmal überprüft und, wenn möglich, mit in den Förderantrag aufgenommen wurde, zahlten sich jetzt aus.“
Gesekes Bürgermeister Dr. Remco van der Velden begleitete für die 14 Kommunen des Kreises das Verfahren: „Ich freue mich sehr, dass Kommunen und Kreis bei diesem wichtigen Thema zusammenarbeiten. Seit 2015 verfolgen wir gemeinsam die Strategie Glasfaser-Hausanschlüsse für möglichst viele Haushalte und Unternehmen im Kreis so gefördert zu bekommen, dass ein anschließender eigenwirtschaftlicher Ausbau möglich ist.“
Die kreiseigene Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen mbH begleitet den Kreis Soest in dem Förderverfahren mit fachlicher Beratung.

Aktuelle Informationen werden auf der Homepage des Kreises unter kreis-soest.de/breitband veröffentlicht.

Bergdorf Wildewiese setzt auf Richtfunk

Durch die Eigeninitiative der Dorfgemeinschaft Wildewiese ist schnelles Internet nun auch in dem Sunderner Ortsteil verfügbar. Um nicht länger auf Glasfaserkabel und Gelder aus Förderverfahren warten zu müssen, hatten die Wildewieser selbst eine Lösung gesucht und gefunden: Richtfunk.

Schombergturm
Der Schombergturm (Foto: Stadt Sundern)

Im Frühjahr 2016 hatten sich die Wildewieser zusammengetan und Angebote eingeholt. Nach gut 3 Monaten Planungs- und Bauzeit konnten jetzt die ersten acht Anschlüsse in Betrieb gehen. Realisiert hat die Anbindung der Häuser über eine Richtfunkstrecke und die Zuführung der Bandbreite in den Ort die Firma ProNet Systems aus Sundern.

Von einem alten Liftmast wird das Funksignal im Ort verteilt: „Jeder Teilnehmer hat dazu eine kleine Antenne, mit der das Signal empfangen wird“, erklärt Daniel Wagner von ProNet Systems im Interview. Das Signal selbst kommt aus dem Netz der Unitymedia in Allendorf und wird von dort über Saal nach Wildewiese zum Schomberg geschickt. Da sich viele der Haushalte im Ort beteiligten, wurde der einzelne Anschluss günstiger: Pro Privathaushalt rund 150 Euro. Das gesamte Projekt habe rund 3.000 Euro gekostet.

Weil vorher nur eine Versorgung über LTE mit Volumentarifen vorhanden war, freuen sich die Wildewieser und vor allem das NaturHotel Wildewiese über die Vorteile eines Breitbandzugangs mit bis zu 200 Mbit/s per Funk. „Natürlich stellen wir unseren Gästen seit Jahren kostenlos einen WLAN Zugang zur Verfügung. Aber weder Geschwindigkeit noch Datenvolumen waren nach heutigem Standard ausreichend. Das gehört nun der Vergangenheit an. Endlich können wir unseren Hotel- und Restaurantgästen auch hier einen TOP-Service bieten“, berichtet Marion Steinberg vom NaturHotel Wildewiese.

Das Beispiel Wildewiese zeigt, dass ein Technologie-Mix gerade in den Außenbereichen ein guter Weg für eine schnelle und kostengünstige Versorgung sein kann, so die Einschätzung von Stefan Glusa von der Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen. Mit modernen Richtfunktechnologien lassen sich Standorte schnell und kostengünstig vernetzen und hohe Investitionskosten für Kabeltrassen vermeiden. Funknetze und Glasfasernetze ergänzen einander dabei und sind kein Gegensatz: „Wenn die Bereitschaft da ist, und alle heute zur Verfügung stehenden Technologien genutzt werden, können Anbindungen auch für wenige Haushalte wirtschaftlich betrieben werden. Dazu gibt es fähige Unternehmen in der Region, die Umsetzung und Betrieb übernehmen.“ Die Telekommunikationsgesellschaft berät Interessierte seit Jahren anbieter- und technologieneutral zu diesen Themen.

Das einst selbständige Bergdorf Wildewiese an der Sorpequelle ist ein ideales Wander- und Skigebiet ohne Durchgangsverkehr. Es liegt auf der Höhe zum Kreis Olpe mit herrlichem Blick über Lenne- und Sorpetal. Von der Aussichtsplattform des Vodafone-Richtfunkturms auf dem Schomberg bietet sich dem Besucher eine grandiose Aussicht.